YAMAHA NS10: Großes Vermächtnis auf kleinem Raum

 Schon vor einigen Monaten, am 28. Oktober des letzten Jahres, wurde mein bis dahin noch sehr rudimentäres Studioequipment um ein Paar Yamaha NS10 erweitert. Sobald ich sie das erste Mal in einem Interview mit meinem Idol Yasutaka Nakata, dem wohl besten Pop-Produzenten Japans, in dessen Studio sah, wusste ich sofort, dass ich sie ebenfalls unbedingt haben musste. Diese legendären Studiomonitore gingen aber nicht nur in meinen Besitz über, weil jemand, zu dem ich aufschaue, mit ihnen arbeitet.

Nein, die NS10 zeichnen sich auch durch ihre ganz eigene Klangcharakteristik aus. Der Frequenzgang beginnt erst bei 65 Hertz und endet bei 20KHz, die Lautsprecher sind im Vergleich zu anderen Monitorlautsprechern sehr mitten- und höhenbetont und daher perfekt für die Art von elektronischer Popmusik, die ich produziere. Wer jedoch basslastigen House oder gar Trap produzieren möchte, für den sind diese Monitore, zumindest als vorrangige Boxen zum Abmischen, eher nicht geeignet.

Unter Musikproduzenten gibt es eine Großstadtlegende: Klingt ein Lied auf den NS10, klingt es auf jedem Lautsprecher gut. Ob da etwas dran ist, muss ich noch selbst herausfinden. Völlig an den Haaren herbeigezogen scheint sie doch nicht zu sein, schließlich stehen diese Boxen in gefühlt jedem jemals abgelichteten Studio der Welt herum.

Doch warum habe ich diese Lautsprecher schon seit drei Monaten auf meinem Schreibtisch stehen und weiß noch immer nicht, wie sie klingen? Eigentlich ist der Grund ganz einfach: Ich hatte bis jetzt noch keine passende Endstufe, also keinen passenden Verstärker, gefunden. Denn während man moderne Monitorboxen einfach mit den entsprechenden Kabeln an sein Interface oder sein Mischpult anschließt, müssen die NS10 erst von einer Endstufe mit Strom bespeist werden.

Und dies kann ich nun endlich tun, denn gestern habe ich endlich ein passendes Gerät auf eBay ersteigert. Das erste Model des t.amp S150, um genau zu sein. Das aktuelle Modell Mk2 geht bei Thomann für insgesamt 179 € über den Tisch, während ich für meine Endstufe gerade einmal 90 € gezahlt habe. Fühlt sich durchaus nach einem guten Deal an.

Zwar zieren meinen Schreibtisch seit kurzem bereits Lautsprecher, die Sony SRS-Z1 aus den frühen 2000ern, doch diese sind nicht wirklich als primäre Lautsprecher gedacht. Eher als Zweitabhörer, um herauszufinden, wie sich ein Lied etwa auf einer billigeren Bluetoothbox oder Laptop- bzw. Handylautsprecher abhören würde.

Nun sitze ich fast wie auf glühenden Kohlen, warte fieberhaft darauf, dass der Hermesbote an meiner Tür klingelt und kann es kaum erwarten, endlich mit diesen Boxen zu mischen. Vermutlich habe ich ihren Sound in meinem Kopf bereits zu einem völlig unrealistischen, utopischen Level hochstilisiert und das Ergebnis wird etwas ernüchternd sein, doch ich bin vor allem darauf gespannt, ab jetzt endlich mit anderen Musikern arbeiten zu können. Bisher habe ich all meine Lieder über meine Beyerdynamic DT-880-Pro-Kopfhörer abgemischt, welche gemeinsames Anhören von Musik eher schwer machen, doch jetzt wird es endlich möglich sein, meine Klänge mit andern zu teilen.